Vegane Lederhose, ist eine Culotte!

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Vegane Lederhose
Vegane Lederhose aus Jeans

Vegane Lederhose

Für alle, die auf der Wiesn zwar zum Tier werden, aber keine Tierhaut tragen wollen, gibts es sog. „vegane Lederhosen“ auf dem Trachtenmarkt. Da kann man mit gutem Gewissen auch ein paar Blechenten am Schießstand erlegen.

Die gute Idee, das kulturelle Erbe „bayrische Gebirgstrachten-Lederhosen“ in einem anderen Material als Leder zu designen, lag für uns im Jahr 2011 in der Luft – JA!- „nach 7 Jahren in München mit Jeanstoff arbeiten und jedes Jahr zum Oktoberfest die Leute mit Lederhosen rumlaufen sehen“….Das heutzutage fast alles irgendwie unter dem Titel Bio & Vegan verkauft wird ist wohl ein Trend. Und Baumwolle nochmal extra den Titel „vegan“ zu verleihen ist wohl offensichtlich lächerlich, auf den ersten Blick. Aber das jedes Jahr für`s Oktoberfest vollkommen nutzlos Tiere in Billiglohnländern für Einweg-Lederhosen, zum sich gegenseitig auf dem Pissoir anpieseln herhalten müssen, empfinden wir als pervers (auch im Hinblick auf die Menschen..). Als wir unser ersten Modelle auf die „Bühne“ gestellt hatten, war das Feedback von absolut positiv bis derbe negativ aufgespalten. Bei den negativen Meinungen z.B. „die ist ja nicht aus Leder – deswegen schlecht & nicht traditionell und sowieso: „…host Du ja eh no nia aan Kuastoi ausgemisstet…“ – stellte wir uns die Frage:

Gab es denn nicht schon früher vegane Lederhosen?

Ja, haben wir heute nur ein Bezeichungsproblem?  Jeanslederhose, Alpenkurze, alpine denim shorts oder vegane Lederhose… – was fällt einem nur ein zu, einem Typ „Lederhose“ der aus Stoff ist so, dass jeder sofort weiß, um was es sich handelt? Wir wollen ja nicht auf dem Begriff „vegan“ rumreiten, für etwas was absolut „normal“ eigentlich ist, z.B. Baumwolle. Vielleicht gab es eine ursprünglichere Bezeichnung? Wer mehr dazu weiß, kann sich bitte gerne bei uns melden oder bitte einen Kommentar hierzu posten!

Historie der bayrischen Lederhose

Was unsere Recherchen (z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Culotte) zur gebrigstrachtigen Lederhose ergeben hat ist, dass auch ihre Vorbilder nicht an einem Tag erfunden wurden sondern, es sich um eine Entwicklung handelt. Der Latzverschluss im speziellen, war definitiv ein mittelalterliches Verschlusssystem und europaweit bei Stoffhosen verbreitet. Geschichtlich gesehen wurde die Culotte (von frz. cul = Arsch; Kniebundhose aus unterschiedlichen Stoffen) im späten 17. Jh. von fast allen Männern, mit einem in der vorderen Mitte geknöpftem Verschluß getragen. Mit Latz wurde dieser Hosentyp „à la bavaroise“ aus der bayrischen Tracht später dann wieder zurück übernommen, nachdem der Latzverschluss in der Renaissance bereits in ganz Europa schon üblich gewesen war. Casanova schrieb sinngemäß, die spanische Inquisition habe die „Schlitzhosen“ Mode (d.h. Hosen mit Knopfverschluss) als unanständig empfunden und deswegen den Hosenlatz „nach alter Väter Sitte“ wieder eingeführt. Es gibt auch Hinweise, dass es etwas mit einer kürzer gewordenen Länge der Westen zu tun gehabt haben könnte und deswegen ein breiter Latzverschluss entwickelt wurde. Und auch eine Entwicklung in der Barockzeit über das Jagd-, Reit- und Uniformwesen wirkt bis in unsere Zeit. Auf einem Bild aus dem Jahr 1669 sollen Hosenträger zu erkennen sein, während bis dahin angeblich eine Schnur oder ein Riemen die Hosen festhielten. In Deutschland ging die Culotte also in die Regionaltrachten ein. Die kniefreie Latzhose soll Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Lederstrümpfe wurden als Schutz unter den metallenen Rüstungen getragen und später mit Lederbändern zusammengehalten, um so ein „Paar Hosen“ zu bilden. Wenn man bedenkt, daß die bayr. Gebirgstrachten Lederhose vom Bauplan her (die Stickerei als Besonderheit hier ausgeklammert), eine Mischform eines spätmittelalterlichen Hosenverschlusses und einer Culottes ist, ist das doch recht bemerkenswert! Vielleicht sollte man sich auch über die Entwicklung von Hosen an sich Gedanken machen und die Ursache der Verwendung unterschiedlicher Materialen. Einflüsse und Vermisschungen sind wohl geschichtlich gesehen immer gang und gäbe gewesen….

Von daher, vegane Lederhosen..- wir machen also auch nix Neues – .. 😉

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